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Teil 4: Wenn der Atem stockt

Gefährliche Apnoen gibt es auch bei Kindern

Schlaf

Dass manche Erwachsene in der Nacht Atemaussetzer haben, ist bekannt. Durch Veranlagung, eine schlaffe Rachenmuskulatur, angeborene Fehlstellungen des Unterkiefers oder eine Nasenscheidewandverkrümmung kann die Atmung behindert werden. Weitere Risikofaktoren für die „Obstruktive Schlafapnoe“ sind Übergewicht und regelmäßiger Alkoholkonsum. Aber bei Kindern? „Ja, das gibt es auch“, sagt Thomas Erler, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik am Klinikum Westbrandenburg in Potsdam und Leiter des Kinder-Schlaflabors. „Bei Kindern sind oft vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln die Ursache für die nächtlichen Atemaussetzer. Auch Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte oder einer Rückverlagerung des Unterkiefers können nachts Atemprobleme bekommen.“

 

Schnarcht ein Kind über einen längeren Zeitraum, sollten Eltern das ernst nehmen. Atemaussetzer beeinträchtigen die Qualität des Schlafes und führen gerade bei jüngeren Kindern auf Dauer zu Entwicklungs- und Wachstumsverzögerungen. Wird die Atmung im Schlaf behindert, kommt es zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut. Das merkt das Gehirn glücklicherweise und das Kind wacht von selbst auf, damit die Muskulatur sich strafft und bei der nächsten Atmung wieder genügend Sauerstoff ins Blut gelangt. Wo ist also das Problem? „Wenn das in der Nacht regelmäßig passiert, kommt das Kind nicht mehr in die Tiefschlafphase, die für die Entwicklung des Gehirns entscheidend ist“, erklärt Erler.

 

Entwicklungs- und Wachstumsverzögerun­gen, nächtliches Schwitzen, Einnässen und Kopfschmerzen am Morgen können bei Kindern Folge einer gestörten Atmung in der Nacht sein. Manche Kinder sind tagsüber sehr müde, andere durch den gestörten Nachtschlaf erst recht aufgedreht und hibbelig. Um sich Klarheit zu verschaffen, sollten Eltern den Kinderarzt konsultieren, der gegebenenfalls eine Untersuchung im Schlaflabor verordnet.

 

Dort verbringt das Kind meist zwei Nächte. Die erste Nacht ist so ungewohnt für das komplett verkabelte Kind, dass es nicht entspannt genug schläft, um zuverlässige Messergebnisse zu erhalten. „Wir nehmen auch die Eltern mit auf, damit sich das Kind sicher fühlt“, sagt Erler. Im Schlaflabor werden die Herz- und Atemfrequenz, der Sauerstoffgehalt im Blut sowie die Hirnaktivitäten beim Schlafen gemessen und protokolliert. „An den Ergebnissen lässt sich ablesen, wie ausgeprägt das Schnarchen beziehungsweise die Atemaussetzer sind und ob das Kind überhaupt noch Tiefschlafphasen erreicht.“
Ist das nicht der Fall, kann die Entfernung von Rachenmandeln oder Polypen helfen. Manche Kinder müssen mit einer Sauerstoffmaske schlafen. Das ist aber extrem selten. Rund sieben Prozent aller Kinder schnarchen und nur zwei Prozent aller Zwei- bis Fünfjährigen leiden unter einer Schlafapnoe. Erler sieht die Untersuchungen im Schlaflabor als Riesen-Fortschritt an: „Früher haben Ärzte die Menschen immer nur im Wachzustand untersucht, obwohl wir rund ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen. Dank modernster Technik können wir heute gute Untersuchungs- und Behandlungsmöglichkeiten anbieten.“