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Eine tolle Erfahrung für alle: In der Lernwerkstatt polieren Migranten mit Freiwilligen ihr Deutsch auf

Wie kann man jemandem, der so gut wie kein Wort Deutsch spricht, die ersten deutschen Sätze beibringen? Mit dieser Frage im Hinterkopf ging Doris Glawe vor zwei Jahren zum ersten Mal als ehrenamtliche Helferin zur „Lernwerkstatt Deutsch“ im Bildungsforum. „Ich war damals schon etwas aufgeregt, aber man findet sich rein“, sagt die 59-Jährige im Rückblick. Sie hat schon mehrfach kostenlose Fortbildungsangebote der Volkshochschule für Ehrenamtliche zu Sprachvermittlung und Migration besucht: „Das gibt Sicherheit.“

Früher habe sie immer gedacht, dass eine ehrenamtliche Tätigkeit etwas fürs Rentenalter sei, aber dann kam es anders. „Ich stieß durch Zufall auf das Angebot und wollte mir das angesichts der vielen Flüchtlinge in Deutschland einmal ansehen“, erzählt Glawe. Sie ist Krankenschwester in einer Tagesstätte für Demenzkranke und hilft zwei- bis dreimal pro Woche in der Lernwerkstatt mit. Inzwischen ist auch ihr Ehemann, ein Meteorologe im Ruhestand, als Helfer dabei. „Man braucht etwas Mut, viel Geduld und den Willen, sich auf andere einzulassen“, sind sich beide einig. Inzwischen haben sich auch private Kontakte aus dem Engagement ergeben: „Wir erfahren aus erster Hand etwas über die Herkunftsländer, lernen andere Einstellungen und Kulturen kennen. Davon profitieren beide Seiten.“

Auch Sören Barkey, der an der Universität Potsdam Germanistik und Öffentliches Recht studiert, ist seit eineinhalb Jahren ehrenamtlicher Helfer in der Lernwerkstatt. „Ich hatte einfach das ganz starke Bedürfnis, aktiv zu werden“, erzählt der 24-Jährige. Die Erfahrung, als einzelner etwas bewirken zu können, sei unheimlich motivierend: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man wirklich helfen kann und merkt, dass man dazu beigetragen hat, dass sich jemand besser zurechtfindet.“

Die Vorkenntnisse der Teilnehmenden sind sehr unterschiedlich, denn die „Lernwerkstatt Deutsch“ ist ein offenes Angebot, das Migrantinnen und Migranten täglich und zu festen Zeiten, aber ohne Anmeldung und Kursgebühr nutzen können. Möglich machen das die Volkshochschule Potsdam (VHS) und die Stadt- und Landesbibliothek (SLB), in deren Räumen die jeweils 90-minütige Lernwerkstatt stattfindet.

„Wir sprechen miteinander Deutsch und üben dabei auch die Aussprache und Grammatik. Manche bringen ihre Hausaufgaben aus den Integrationskursen vom Vormittag mit“, sagt Glawe. Ihr gefällt auch die Atmosphäre: „Alle sind sehr höflich und nett. Bis jetzt ist niemand unangenehm aufgetreten.“ Unter den Ehrenamtlichen sind auch einige pensionierte Lehrerinnen und Lehrer, aber niemand muss Profi sein, um zu helfen. „Es ist immer eine erfahrene Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache dabei und das Schöne ist ja, dass alle, die kommen, auch wirklich etwas lernen wollen“, so Glawe.

„Eine neue Sprache lernt man am besten im Gespräch mit anderen Menschen“, bestätigt Lernwerkstatt-Koordinatorin Olga Grabarczyk. „Unser Angebot gilt für alle Migrantinnen und Migranten – unabhängig von Aufenthaltsstatus und Vorbildung.“ Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass zu jedem Termin unterschiedlich viele Teilnehmende und Helfende kommen. Der Pool ist mit 60 Ehrenamtlichen groß, aber weitere Hilfe ist immer willkommen. „Alle, die uns unterstützen möchten, entscheiden selbst über den Zeitpunkt und Umfang ihres Engagements“, betont Grabarczyk. Diese Flexibilität schätzt auch Sören Barkey. In letzter Zeit kommt er etwas seltener in die Lernwerkstatt, weil das Studium ihn gerade sehr fordert. Dennoch gehört er zum festen Stamm der Ehrenamtlichen und sagt: „Weitere Hilfe ist immer willkommen.“

 

Haben Sie Lust, die „Lernwerkstatt Deutsch“ zu unterstützen?

Interessierte können sich in der Volkshochschule bei Olga Grabarczyk melden: 0331.289-45 76 oder olga.grabarczyk@rathaus.potsdam.de

Weitere Infos und Termine zur Lernwerkstatt: vhs.potsdam.de

Weitere Möglichkeiten für Hilfe und Engagenement: www.helpto.de

 

Potsdamer Ehrenamtspreis 2018
Im Juni hat die Lernwerkstatt Deutsch der Volkshochschule Potsdam den Ehrenamtspreis „für das Wirken für Demokratie, Toleranz und Integration“ erhalten. Der Preis wird gemeinsam von der Landeshauptstadt Potsdam, der ProPotsdam GmbH und dem Verein Soziale Stadt Potsdam ausgelobt.
Wir gratulieren!