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Teil 3: Hauptsache ausgeschlafen

Kindliche Schlafstörungen gibt es viele

Vorhin sprangen sie noch als wilde Piraten, Räuber und Hexen herum, jetzt liegen sie im Bett und haben eines gemeinsam: den friedlichen Gesichtsausdruck, den Eltern an ihren schlafenden Kindern so lieben. Was aber, wenn sich von einer Sekunde auf die andere alles ändert? Beim Nachtschreck (Pavor Nocturnus), der vor allem im Kleinkindalter auftritt, erwacht das Kind plötzlich aus dem Tiefschlaf. Es schreit, reißt die Augen auf, scheint Angst zu haben und ist doch nicht richtig wach. Die Eltern bekommen einen gehörigen Schreck und wundern sich, dass sich das Kind am nächsten Tag an nichts erinnern kann.

 

„Der Nachtschreck ist eine Parasomnie – ein Ereignis, das während des Schlafes eintritt, dessen Erholungseffekt aber nicht negativ beeinflusst“, erklärt Thomas Erler, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik am Klinikum Westbrandenburg in Potsdam und Leiter des Kinder-Schlaflabors. Zu den Parasomnien zählen auch Zähneknirschen, Schlafwandeln (Somnambulismus) und Albträume. Sie verschwinden meist spätestens in der Pubertät. Treten sie gehäuft auf, sollte man den Kinderarzt aufsuchen, um etwa nächtliche Epilepsie auszuschließen.

 

Schlafwandelnde sind nur schwer zu wecken und reagieren dann oft aggressiv. Auch sie wissen am nächsten Morgen nichts von den nächtlichen Ereignissen. Eltern sollten deshalb nicht versuchen, ihr Kind zu wecken, sondern es einfach wieder ins Bett bringen. „Sichern Sie die Schlafumgebung, also Fenster, Türen und Treppen, und lassen das Kind nicht im Hochbett schlafen“, rät Erler. Bei Klassenfahrten sollten die Lehrer*innen informiert werden, damit nachts nichts passiert. „Es handelt sich oft um sehr phantasievolle Kinder, die am Tag viel erlebt haben“, hat der Schlafmediziner beobachtet. Wissenschaftlich sei dieser Zusammenhang jedoch nicht bewiesen. Beim Nachtschreck könne familiärer Stress die Ursache sein.

 

An ihre Albträume können sich Kinder meist gut erinnern und sie ihren Eltern genau beschreiben. „Oft hilft es, am Tag über die schlimmen Träume zu sprechen und mit dem Kind Abwehrstrategien zu entwickeln“, so Erler. „Wenn im Traum immer wieder eine furchterregende Gestalt auftaucht, kann das Kind zum Beispiel einen Käfig malen, in den das Monster eingesperrt werden soll. Das Bild kommt dann zur Beruhigung unter das Bett.“ Albträume kommen bei Kindern häufiger vor als bei Erwachsenen und sind nichts Ungewöhnliches. Wenn sie nicht verschwinden, ist ärztlicher Rat hilfreich.

 

Auch wenn Parasomnien die Eltern tüchtig erschrecken: Der Schlaf bleibt erholsam. Ausgeschlafene Kinder werden morgens schnell wach und sind tagsüber aktiv. Die nötige Schlafmenge ist individuell allerdings sehr unterschiedlich: Bei fünf Monate alten Säuglingen variiert sie nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zwischen 8 und 18 Stunden. Bei Zweijährigen liegt sie zwischen 10 und 16 Stunden und bei Fünfjährigen zwischen 9 und 13 Stunden. Abweichungen sind aber auch möglich, ohne dass das Kind deshalb krank sein muss.