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Teil 2: Den Teufelskreis durchbrechen

Wie Babys das Einschlafen lernen können

Ausreichender und gesunder Schlaf ist wichtig für Körper und Geist. Das gilt für alle Altersgruppen. Was aber, wenn das eigene Baby partout nicht (allein) einschlafen will, nachts immer wieder aufwacht und schreit oder vor lauter Gebrüll gar nicht erst einschlafen kann? „Viele Schlafprobleme werden durch das Verhalten der Eltern begünstigt“, sagt Thomas Erler, Ärztlicher Leiter und Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik am Klinikum Westbrandenburg in Potsdam und Leiter des Kinder-Schlaflabors. „Die Nacht sollte prinzipiell anders ablaufen als der Tag, damit das Baby an wiederkehrenden Ritualen erkennt, dass es Schlafenszeit ist.“

 

So kann es helfen, die letzte Mahlzeit abends immer zur gleichen Zeit zu geben und das Baby immer zur gleichen Zeit zum Schlafen zu legen. Das Fläschchen oder die Brust zum Einschlafen ist keine gute Idee. „Babys wachen nachts regelmäßig auf. Wenn sie dann eine andere Situation vorfinden als beim Einschlafen, sind sie beunruhigt und schlafen nicht wieder ein“, so Erler. Dieses Verhalten sei seit Urzeiten im Menschen angelegt, um sein Überleben zu sichern. „Wir alle wachen etwa alle zwei Stunden für einen kurzen Moment auf, um sicherzustellen, dass keine Gefahr droht. Wer sich wohl und sicher fühlt, schläft dann schnell wieder ein. Hat sich die Situation verändert, sind wir automatisch alarmiert.“

 

Damit das Baby lernt, nachts von allein wieder einzuschlafen, sollten die Eltern nicht sofort reagieren und ihr Kind vor allem nicht sofort aus dem Bettchen holen. Besonders helles Licht kann das Baby unnötig munter machen. Wird es beim nächtlichen Erwachen angenehm unterhalten, will das Kind bei jedem Erwachen wieder diese Ablenkung geboten bekommen. Wenn nachts die Windel gewechselt werden muss, sollte das also auch in ruhiger Atmosphäre passieren.

 

Eine besondere Herausforderung sind die sogenannten Schreibabys: Nach stundenlan­gem Schreien sind sie so überdreht und über­müdet, dass sie nur noch mehr schreien. „Eltern und Kind schaukeln sich gegenseitig hoch, bis die Nerven blank liegen. In so einer Situation muss man sich unbedingt externe Hilfe holen“, sagt Erler. „Das kann der Partner beziehungsweise die Partnerin sein, die Großeltern oder Freunde. Es geht darum, den Teufelskreis zu durchbrechen und zur Ruhe zu kommen, denn je übermüdeter und verzweifelter die Eltern werden, desto aussichtsloser sind ihre Versuche, das Kind zu beruhigen.“

 

Auch der Weg zum Kinderarzt oder zur Schreiambulanz kann Kurzschlusshandlungen der Eltern verhindern. „Selbst Schreibabys schlafen irgendwann“, beruhigt Erler. Sie haben Schwierigkeiten, sich selbst zu regulieren, sind von den vielen Umweltreizen überfordert. Die Interaktion zwischen Mutter und Kind kann gestört sein. Auf jeden Fall sollten Eltern den Kinderarzt aufsuchen, um organische Krankheiten als Ursache ausschließen zu können und um sich nicht zu viele Sorgen machen zu müssen. Erst wenn sich alle entspannen, werden die Nächte wieder ruhiger.