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Zahlt der Arbeitgeber weiterhin Gehalt bei Corona-Quarantäne oder geschlossener Kita?

Veranstaltungen und Messen werden abgesagt, Kitas und Schulen werden geschlossen und Arbeitsplätze bleiben leer. Das Corona-Virus hat unseren Alltag erreicht. Wie sich die rechtliche Situation für Arbeitnehmer im Fall von Quarantäne, Zwangsurlaub und geschlossenen Kindergärten gestaltet, erklärt Prof. Dr. Simon A. Fischer, Studiengangsleiter Wirtschaftsrecht an der SRH Fernhochschule – The Mobile University.

Prof. Dr. Simon A. Fischer

Rechtsexperte Prof. Dr. Simon A. Fischer
klärt arbeitsrechtliche Fragen zum Corona-Virus.
Foto: © SRH Fernhochschule

 

Wenn das eigene Kind erkrankt ist: Wer kümmert sich?

Auch hier gilt dasselbe, wie bei anderen Erkrankungen eines Kindes: Wenn das Kind während der Krankheitsphase der Beaufsichtigung und Betreuung bedarf, muss sich ein Elternteil dies vom Arzt attestieren lassen. Dieses Attest wird umgangssprachlich auch „Kindkrankschreibung“ genannt. In diesem Fall springt die Krankenkasse ein und zahlt dem Arbeitnehmer ein Krankengeld (vgl. § 45 SGB V). Anspruch auf dieses Krankengeld hat man jährlich für 10 Tage je Kind, bei Alleinerziehenden sind es 20 Tage je Kind. Bei drei und mehr Kindern sind es maximal 25 Tage im Jahr und bei Alleinerziehenden entsprechend 50 Tage. Für die Dauer dieser „Kindkrankschreibung“ hat der Arbeitnehmer einen Anspruch auf Freistellung gegenüber seinem Arbeitgeber und darf der Arbeit fernbleiben. Der Arbeitgeber schuldet für diese Zeit der Freistellung natürlich kein Gehalt.
 
Kindergarten oder Schule bleiben wegen Infektionsverdacht geschlossen – und jetzt?
Da das Kind nicht krank ist, greift die „Kindkrankschreibung“ nicht – somit ist Organisationstalent gefragt. Man kann auf ein optimales Umfeld hoffen, in dem zum Beispiel die Großeltern oder andere Familienmitglieder, vielleicht sogar gute Freunde, einspringen können. Wo das nicht geht, wird man sich schnell mit dem Arbeitgeber einigen müssen. Vielleicht hat man Glück und er gewährt nicht nur kurzfristig noch nicht verplante Urlaubstage, sondern rundet auch großzügig auf. Einen Anspruch auf bezahlte Freistellung gibt es in diesem Fall leider nicht.
 
Die „Kindkrankschreibung“ gilt nur bis 12 Jahre, was ist danach?
Grundsätzlich darf man der Arbeit bis zu 10 Tagen fernbleiben, wenn ein naher Angehöriger gepflegt werden muss. Es ist sehr ratsam, sich diese Pflegebedürftigkeit ärztlich attestieren zu lassen. Der Arbeitgeber kann das ohnehin verlangen. Und selbstverständlich ist der Arbeitgeber unverzüglich darüber zu informieren, dass und voraussichtlich wie lange man abwesend sein wird. Ob und wenn ja für wie lange ein Recht auf Vergütung für den Zeitraum der pflegebedingten Abwesenheit besteht, ist umstritten und eine Frage des Einzelfalls. Man kann sich leider nicht darauf verlassen, dass man für den Zeitraum der Abwesenheit bezahlt wird.