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Traurig und fröhlich sein erlaubt!

Weihnachten feiern, wie geht das, wenn die kleine Schwester oder der Papa schwer krank oder gerade verstorben ist? Häufig fühlen Trauernde sich gerade in Festtagszeiten überfordert. Kinder fragen sich, ob sie sich freuen dürfen. Wir sprachen mit Constanze Contudo vom Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Potsdam (HPP), wie Eltern ihr Kind unterstützen bzw. verstehen können und wie sie selbst Unterstützung erfahren können.

 

Raum für Traurigkeit und für Fröhlichkeit schaffen.
Kinder und Erwachsene in Trauer sind oft unsicher, ob sie über all das Traurige reden dürfen, weil dann vielleicht alle wieder weinen. Häufig versuchen Eltern auch, ihre Kinder zu schützen, indem sie nicht über das Thema reden. Die Kinder reagieren manchmal, indem sie diesen Gedanken ihrer Eltern erfüllen und scheinbar fröhlich spielen. „Kinder haben feine Antennen“, so Constanze Contudo vom Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Potsdam. Sie rät daher Familien mit einer Verlusterfahrung: „Gemeinsam Trauern ermöglicht auch gemeinsame Freude“. Es sollte Raum sowohl für Traurigkeit als auch Raum für Fröhlichkeit geben. Wenn Kinder keine Möglichkeit haben, über Ihren Verlust zu sprechen und mit ihrer Traurigkeit umzugehen, legt sich die Trauer wie ein schwarzer Schatten über sie.

 

Austausch mit anderen Menschen in ähnlichen Situationen.
Beim Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst finden Familien mit schwerkranken und verstorbenen Angehörigen Hilfe und Unterstützung. Die Angebote sollen helfen, Isolation und Sprachlosigkeit zu überwinden, die Wirklichkeit des Verlusts zu begreifen, neue Lebensperspektiven zu entwickeln, heilsame Formen des Erinnerns zu finden und Sterblichkeit und Trauer als Teile des Lebens zu akzeptieren. Der Dienst bietet Beratung, Einzelbegleitung von Kindern, Jugendlichen oder Familien und Gruppenangebote für Trauernde. Eltern können sich austauschen und erfahren, wie sie ihre trauernden Kinder unterstützen können. So ist das eigene Leid für Kinder besser auszuhalten, wenn sie erleben, dass andere Familienmitglieder und Freunde ihre Tränen und Trauer auch zulassen. Das Kind erlebt, dass es dazugehört und nicht ausgeschlossen wird, „weil es noch zu klein ist“. Sowohl Erwachsenen als auch Kindern tut es gut, sich mit anderen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. „Man muss nicht alles alleine schaffen“, betont Constanze Contudo. „Wenn ein Leben beginnt gibt es doch auch Gruppen, in denen wir uns austauschen, etwa bei der Geburtsvorbereitung oder in der Krabbelgruppe.“

 

Trauerarbeit in den Kindergruppen des HPP.
Derzeit gibt es zwei Trauergruppen für Kinder, die Regenbogengruppe für Kinder mit verstorbenen Angehörigen und die Schmetterlingsgruppe für Kinder mit schwerstkranken Angehörigen. Die Gruppen sind für Kinder ab sechs Jahren und treffen sich 14-tägig. Themenschwerpunkte sind Erinnerungsarbeit, Ausdrücken von Gefühlen, Integration des Verlustes in das alltägliche Leben, Schul- und Kommunikationsschwierigkeiten. Die Gruppen bieten den Kindern Raum, sich und ihre Gefühle auszudrücken. Durch Malen, Spielen, Tanzen, Singen, Gestalten mit Ton und anderen Werkstoffen können Kinder ihre Gefühle und Sichtweisen oft besser ausdrücken als durch gesprochene Worte. Sie entwickeln tröstende Rituale, basteln vielleicht ein Gesteck für das Grab oder gestalten ein Erinnerungsbuch. Es gibt auch Familienausflüge, zu denen die Regenbogen- und Schmetterling-Kinder mit ihren Familien eingeladen sind.

 

Der richtige Zeitpunkt für eine Trauergruppe ist individuell verschieden.
Constanze Contudo rät, in diesem Punkt auf das eigene Gefühl zu vertrauen. Oft ist es in der ersten Zeit nach dem Tod einer nahestehenden Person nötig, im Schutz eines engen Familienrahmens zu bleiben. Der Schmerz und die Erschütterung in den ersten Wochen lassen es meist nicht zu, sich vor anderen zu öffnen. Wenn das Kind die Möglichkeit hatte, einige Wochen oder Monate den Verlust für sich zu begreifen und sich in der veränderten Welt wieder zurechtfindet, dann ist ein Austausch in einer Kinder-Trauer-Gruppe eine gute Möglichkeit wieder Schritte „ins Leben“ zu gehen und hierbei zu erfahren, dass es mit seiner Trauer nicht allein ist. Viele der Kinder und Jugendlichen kommen auch erst nach Jahren in eine solche Gruppe. Das Verlust-Erlebnis kann so mit Abstand noch einmal neu betrachtet und in die eigene Biografie integriert werden. Manche Kinder waren eine zeitlang in einer Gruppe und gingen dann wieder allein in ihren (Lebens)Alltag. Nach ein oder zwei Jahren hatten sie das Bedürfnis wieder in den Austausch mit Gleichaltrigen zu treten. Dies macht Sinn, weil Trauerarbeit in verschiedenen Entwicklungsstufen immer wieder neu bewältigt werden muss.

 

Trauerarbeit in Gruppen auch für Erwachsene.
Doch nicht nur Kinder mit einer Verlusterfahrung finden beim Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Hilfe, sondern auch Erwachsene. So gibt es eine Gruppe für früh Verwitwete und für verwaiste Eltern. Auch Frauen, die ihr Kind in der Schwangerschaft verloren haben, können sich dort treffen. „Meist wird darüber hinweggesehen, aber auch wenn Frauen ein Kind zu einem frühen Zeitpunkt der Schwangerschaft verlieren, ist das ein Verlust, der verarbeitet werden möchte“, so Constanze Contudo.

Träger des Beratungsdienstes sind der Malteser Hilfsdienst Berlin e.V. und die Gemeinnützige Diakoniegesellschaft Hermannswerder mbH, die zur Hoffbauer-Stiftung gehört. Zum Angebot des Beratungsdienstes gehören auch Weiterbildung und Beratung für PädagogInnen. Constanze Contudo engagiert sich mit mehreren Ehrenamtlichen für Kinder und Jugendliche in Trauer. Die Beratung ist kostenfrei. „Wenn Sie die trauernden Kinder und Jugendliche in unseren Trauergruppen unterstützen möchten, dann verzichten Sie doch in diesem Jahr auf einige Silvesterraketen und spenden an:

 

Gemeinnützige Diakoniegesellschaft Hermannswerder mbH
Bankleitzahl: 100 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft)
Kontonummer: 323 22 00
Verwendungszweck: Kindertrauergruppen

 

Infos:
www.kindertrauer-potsdam.de
Karl-Liebknecht-Str. 28, 14482 Potsdam
Tel. 0331.620 02 50 (AB, Mo 13-17 Uhr persönlich)
E-Mail: beratung@trauergruppe-potsdam.de, info@hospizdienst-potsdam.de

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