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Eingewöhnung in die Kita

Leichter loslassen – Eingewöhnung braucht Ruhe und Zeit

Dem ersten Tag als Kita- oder Schulkind wird zumeist entgegengefiebert. Ist er erst einmal da, ist es nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Erwachsenen aufregend. Kinder, Eltern und ErzieherInnen müssen einander vertrauen, um die neue Situation zu meistern. Das braucht Zeit. In Potsdam haben Familien einen Rechtsanspruch auf eine zehntägige Eingewöhnung vor dem eigentlichen Start des Kita-Aufenthaltes. In dieser Phase sollen die Kinder lernen, sich von den Eltern abzunabeln.

 

„In den meisten Potsdamer Tagespflegestellen und Kitas erfolgt die Eingewöhnung entsprechend dem Berliner Eingewöhnungsmodell nach infans“, sagt Anita Figiel vom Familienservice der Landeshauptstadt Potsdam. Das Modell des Berliner Instituts für angewandte Sozialisationsforschung/Frühe Kindheit e.V. stützt sich auf die Bindungstheorie von John Bowlby und geht von einer Eingewöhnungszeit aus, die je nach Kind zwischen ein bis drei Wochen, mindestens aber drei Tage dauert. Wichtig ist dabei, dass das Kind das Tempo seiner Eingewöhnungszeit selbst bestimmen kann. „Die Aufnahme von Kindern in den Alltag einer Kindertagesbetreuungseinrichtung ist niemals Routine“, sagt die Qualitätsmanagerin für Kitas. Wegen der organisatorischen Abläufe in den Einrichtungen und der persönlichen Belange der Eltern gibt es mitunter Abweichungen, gibt Figiel zu. „Eine Eins-zu-Eins-Betreuung für die ersten Tage ist jedoch ein wichtiges Qualitätsmerkmal in Potsdamer Einrichtungen und sollte garantiert sein.“

 

Eingewöhnung in drei Phasen

Nach dem Berliner Modell erfolgt die Eingewöhnung des Kindes in vier Phasen. In den ersten drei Tagen, der sogenannten Grundphase, kommen Mutter oder Vater möglichst immer zur gleichen Zeit für eine Stunde mit dem Kind in die neue Gruppe und gehen dann gemeinsam wieder nach Hause. In dieser Phase sollten die Eltern eher passiv sein und ihr Kind nicht dazu drängen, sich von ihnen zu entfernen, sondern als „sicherer Hafen“ in der Nähe sein. Die ErzieherInnen nehmen vorsichtig über Spielangebote Kontakt zu dem Kind auf, ohne es zu drängen.

 

Erst am vierten Tag lassen die Eltern das Kind probehalber für eine Weile allein in der Einrichtung. In dieser Stabilisierungs- und Trennungsphase verabschieden sie sich wenige Minuten nach der Ankunft im Gruppenraum vom Kind, bleiben aber in der Nähe. Zeigt sich das Kind davon unbeeindruckt oder lässt sich nach kurzem Weinen schnell beruhigen, kann die Trennung auf dreißig Minuten ausgedehnt werden. Wirkt das Kind nach der Trennung jedoch verstört, müssen Mutter oder Vater sofort zurückgeholt werden. Die Reaktion des Kindes auf diesen ersten Trennungsversuch entscheidet über die Länge der Eingewöhnung. Zeigt es sich durch die Trennung wenig irritiert, ist die Eingewöhnung meist nach sechs weiteren Tagen geschafft. Wenn das Kind sehr weint und sich auch von den ErzieherInnen nicht trösten lässt, braucht die Eingewöhnung mehr Zeit.

 

Die Schlussphase beginnt, wenn der Nachwuchs zu den ErzieherInnen ein emotionales Band geknüpft hat und sich schnell trösten lässt. In dieser Phase verlassen die Eltern die Einrichtung, sind aber jederzeit erreichbar und schnell in der Einrichtung, wenn die Situation es verlangt.

 

Aufs Bauchgefühl hören

Es gilt folgende Faustregel: Je sensibler die Eingewöhnung abläuft, desto geringer ist die Belastung für alle Beteiligten. In einem Vorgespräch sollten Eltern die künftige Betreuungsperson über Besonderheiten und Bedürfnisse ihres Kindes informieren. Im Gegenzug sollten Eltern erfahren, wie der Tagesablauf in der Einrichtung ist und wie die Betreuungsperson und das Kind harmonieren. „Wenn Eltern bezüglich der Betreuung ihres Kindes positive und entspannte Handlungen zwischen Erzieherin und Kind beobachtet haben und die eigene emotionale Wahrnehmung dies auch bestätigt, ist eine wichtige Voraussetzung erfüllt, um loslassen zu können“, sagt Anita Figiel.

 

Das bestätigt auch Kristin Felgner von Vita Progress in Potsdam. Die Sozialpädagogin und Leiterin des Instituts für Aus- und Weiterbildung, Beratung und Therapie beschäftigt sich schon viele Jahre mit diesem Thema. „Die Erwachsenen müssen vor allem Ruhe und Zeit für die Eingewöhnung mitbringen, deren Dauer vom Kind abhängt.“ Für die ErzieherInnen sei die Beziehung zu den Eltern sehr wichtig, damit die Eingewöhnung gut gelingt. „Eltern können den Abnabelungsprozess vorbereiten, indem sie diesen spielerisch mit ihrem Kind einüben“, sagt Felgner. „Die Eltern haben sehr großen Anteil daran, ob die Erzieherin in Beziehung zum Kind treten kann.“

 

Mut zur individuellen Lösung

Weil die Eingewöhnung nicht nur den Kindern, sondern auch den Eltern viel abverlangt, bietet der Lindenpark ab Juni einen sechswöchigen Elternkurs dazu an. Kathrin Finke-Jetschmanegg, Fachkraft für Eltern-Kind-Gruppen, betreut seit drei Jahren Krabbelgruppen im Lindenpark. „Die meisten Eltern beschäftigen vor allem zwei Fragen: Wie bekomme ich einen Kita-Platz? Und wie löse ich mich von meinem Kind?“ In ihrem Elternkurs erklärt sie die Phasen der Eingewöhnung und bespricht danach die Fragen mit den Eltern.

 

„Ich möchte Eltern dazu ermuntern, individuelle Lösungen mit den Erzieherinnen und Erziehern zu finden“, sagt Finke-Jetschma­negg. Nach ihrer Beobachtung hat der Kita-Alltag oft Vorrang. „Das Kita-Gesetz des Landes Brandenburg sieht die Eltern als Partner und Mitgestaltende des Kitalebens. Und diese prägende Beziehung beginnt schon mit der Eingewöhnungszeit. Ich empfehle Eltern, sich die Konzeption der Träger intensiv anzusehen und darauf zu achten, inwieweit Elternmitwirkung gewünscht ist.“

 

Eltern sollten offen über ihre Wünsche sprechen. Hilfreich sei es auch, die Blickwinkel und Verhaltensmöglichkeiten aller Beteiligten aufzuzeigen. Damit die Eltern nicht klammern, sei eine gute Kommunikation mit den Betreuungspersonen unverzichtbar. Häufig werde zu wenig über das eigene Gefühl gesprochen. Nur wer sich richtig aufgehoben und verstanden fühle, könne richtig loslassen. Besonders schwierig sei es für Eltern festzustellen, ob die Einrichtung zum eigenen Kind passt, obwohl sie einem selbst nicht hundertprozentig zusagt. „Das erfordert Fingerspitzengefühl.“

 

Kurzzeitbetreuung in Notsituationen

Deutlich weniger Zeit für die Eingewöhnung hat die Kurzzeit-Kinderbetreuung (KuKi), die die Potsdamer Kinderwelt seit Anfang des Jahres anbietet. Das liegt in der Natur der Sache. Das Angebot ist als Ergänzung zur Kinderbetreuung in der regulären Kita gedacht und richtet sich folglich an Eltern mit Kindern, die daran gewöhnt sind, einige Stunden ohne Mutter oder Vater zu verbringen. Es geht bei der KuKi darum, Eltern in Notsituationen zu helfen oder wenn Job und Kita-Zeiten nicht zusammenpassen. Die Fachkräfte der Kinderwelt kommen bei Bedarf auch in Unternehmen oder nach Hause. Für Kinder, die relativ kurzfristig in die Kurzzeit-Betreuung (in der Regel für vier Stunden zwischen 8 und 20 Uhr) gebracht werden, gelte ein verkürztes Eingewöhnungsmodell, so Steffen Siegert, stellvertretender Geschäftsführer der Kinderwelt.

 

Ein Treffen vorab mit Eltern, Kind und Erzieherin ist auch in der Kinderwelt Pflicht. Außerdem müssten die Eltern erreichbar sein. „Einfach so vorbeikommen, das Kind abgeben und weggehen gibt es bei uns nicht“, sagt Siegert. In der Regel melden sich hilfesuchende Eltern spätestens am Vortag. „Wir empfehlen auch für die Kurzzeitbetreuung, Zeit einzuplanen, um eine Weile dabei zu bleiben. Danach sollten Eltern selbstverständlich erreichbar sein.“ (Maren Herbst)

 

 


 

So machen wir es

Im Folgenden können Kitas vorstellen, wie bei ihnen die Phase der Eingewöhnung angegangen wird. Kitas, die Interesse haben, diese Seite durch ihren Beitrag zu ergänzen, können sich an Frau Struck struck@potskids.de wenden.

 

EJF Familienzentrum Bisamkiez

Die ersten Jahre mit dem Kind sind aufregend und fordern Eltern und Kind so einiges ab. Deshalb bietet das EJF Familienzentrum Bisamkiez die Spielgruppe an. Für Kinder zwischen 0 und 3 Jahren wollen wir einen Ort mit liebevoller Atmosphäre für eine gute Entwicklung schaffen. Unerlässlich sind soziale Kontakte, kreatives Spielen, Bewegung, gesunde Mahlzeiten und Rituale – für Eltern übrigens auch! Mit sozialpädagogischer Unterstützung betreuen Eltern ihre Kinder und finden trotzdem Raum, eigene Ideen und Fähigkeiten einzubringen oder sich einmal Zeit für sich zu nehmen. Gern beraten wir Sie bei Themen rund um den Alltag mit Kind. Unser Tagesablauf orientiert sich an der Struktur eines Kindergartens, sodass vielen Familien die Übergangszeit erleichtert wird. Die Kleinen sind den Gruppenalltag, sowie den Umgang mit anderen Kindern gewöhnt und finden sich schneller in einer neuen Umgebung mit gleichen Strukturen zurecht. Tun Sie sich und Ihrem Kind etwas Gutes und besuchen Sie uns.

 

Kontakt: Beate Hänsel und Katja Braune
familienzentrum.potsdam@ejf.de, 0331.817 12 63

 

MONTESSORI & FRIENDS Kinderhäuser

In den Montessori-Kinderhäusern von MONTESSORI & FRIENDS (u.a. am Wannsee und in Groß Glienicke) gibt es ein Konzept zur Eingewöhnung. Dieses wird jeweils individuell angepasst, da sowohl Kind als auch Eltern unterschiedlich viel Zeit brauchen, um Vertrauen und Bindung zu den PädagogInnen aufzubauen und sich voneinander „abzunabeln“.

 

Zur Eingewöhnung von 2,5- bis 6-jährigen Kindern
Die Eltern werden zu einem Vorgespräch eingeladen, um das MONTESSORI & FRIENDS Kinderhaus und das Konzept kennenzulernen. An einem weiteren Nachmittag kommen Eltern und Kinder gemeinsam vorbei, damit sich alle untereinander kennenlernen können. Gleichzeitig sind die Kinder erstmals in ihrem neuen Kindergarten und erleben den ersten Kontakt mit den PädagogInnen.
Die ersten Tage im Kinderhaus sind kurz: maximal 2 Stunden am Vormittag. Ein Elternteil (möglichst immer der gleiche) sitzt auf einem Erwachsenenstuhl und beobachtet, wie sein Kind erste Kontakte zu Material, BezugserzieherIn und anderen Kindern knüpft. Gegebenenfalls unterstützt er oder sie sein Kind im Hintergrund dabei. Am Ende der ersten Woche führen PädagogInnen und Eltern ein Erstgespräch zu Interessen und Wünschen oder Besonderheiten.
In der darauffolgenden Woche kommen Elternteil und Kind gemeinsam ins Kinderhaus, wobei der Erwachsene dann schon mal vor die Tür geht oder für kurze Zeit das Haus verlässt. Bei jeder neuen Etappe begleitet das Elternteil einmal sein Kind, z.B. beim Mittagskreis, beim Mittagessen, beim Schlafen, auf dem Spielplatz, bei einem Ausflug usw.
Das Kind bleibt in der dritten Woche – abhängig von seinem Eingewöhnungsstand – bis nach dem Mittagessen im Kinderhaus. In der vierten Woche sollte der gesamte Tagesablauf vom Kind mitgetragen werden. Die Eltern erhalten täglich ein Feedback. Nach etwa sechs Wochen erfolgt ein kurzes Gespräch zwischen Pädagogen und Eltern. Damit ist die Eingewöhnungsphase offiziell abgeschlossen. Und eine glückliche Kindergartenzeit kann beginnen.

 

Kontakt: Montessori & Friends Education gGmbH
Südendstr. 31, 12169 Berlin
Telefon Mo-Fr 10-12 Uhr
Frau Klinge 030.797 42 73-22, klinge@montessori-friends.de
Frau Arend 030.797 42 73-20, arend@montessori-friends.de
Fax: 030.797 427 399
www.montessori-friends.de/kinderhaeuser

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